Abschnitt 04 - Die Dynamik

Dynamik Rennintelligenz

 

Interview mit
Carlo Ricci Maccarini
SBK Performance Development.

Die DNA von Ducati hat sich auf den berühmtesten Rennstrecken der Welt gebildet. Nach dem perfekten Gefühl zu suchen, um Höchstleistungen zu erzielen, ist ein grundlegender Teil unserer Natur. Schlaflose Stunden und Energie investieren, um Ihre Rundenzeit um wenige Hundertstel Sekunden zu verbessern. Denn diese wenigen Hundertstel Sekunden machen den Unterschied zwischen Alles gewinnen oder Alles verlieren.
Zwischen dem Vergessen Werden und Geschichte Schreiben.

Wir haben mit dem Fahrzeugdynamikleiter Carlo Ricci Maccarini darüber gesprochen.

„In gewisser Hinsicht ist die Arbeit am Projekt 1708 extrem komplex, in anderen Hinsichten extrem einfach. 1708 ist für die Rennstrecke gedacht. Alles an diesem Motorrad strebt nach Vollendung, alles ist Leistung, bei nichts wird gespart, aber gleichzeitig ist es kein Prototyp und muss verlässlich sein wie bei allen anderen für die Produktion bestimmten Motorrädern.“

An einem Projekt wie 1708 muss die Sorgfalt, die Leistung aufzuzeichnen, professionell fanatisch sein. Es gibt keine Empfindung des Fahrers, die nicht aufgezeichnet und in die Berichtigung von Parametern umgesetzt wird.
Es gibt keine Telemetriedaten, die nicht eingehend analysiert werden, um jeden Leistungsaspekt zu verbessern.

Der Ansatz zur Entwicklung auf der Strecke für 1708 ist dem für einen SBK- oder sogar einen GP-Prototyp im Rennsport befolgten wirklich sehr ähnlich. Die Konzipierung von Ad-hoc-Bauteilen und das extreme Leistungsgewicht erfordern ein spezielles Setting aller Aspekte. Und paradoxerweise ist die Arbeit an den Rohstoffen dermaßen fortgeschritten, dass weniger Bedarf nach Elektronik besteht. Die Elektronik ist wichtig, aber je weniger sie eingreifen muss, umso mehr ist das Motorrad im Gleichgewicht.
Und umso mehr Ausdrucksfreiheit hat der Fahrer.

„Die Außenteile wurden um ein beachtliches Gewicht erleichtert, die Beweglichkeit hat sich daher beachtlich verbessert, aber die Hinterradschwinge ist etwas länger, das Fahrzeug erträgt daher eine höhere Belastung vorne und ist somit bei der Beschleunigung stabiler. Wir haben das Hinterteil neu positioniert und die Position in der Bremsphase ein wenig ausgeglichen, um die höhere Vorderbelastung auszugleichen. Unterschiedliche Masse und unterschiedliche Geometrie. In einer ständigen Konfrontation mit den Fahrern, um einander zu helfen, die Rundenzeit zu verbessern.

Bezüglich der Dynamik werden dadurch die perfekten Bedingungen geschaffen, um das gesamte Potenzial des Motorrads auszuschöpfen. Wir können mehr Leistung in der Beschleunigungsphase verlangen, weil die Geometrie und Aerodynamik an der Stabilisierung mitwirken. Mit einem so hohen Niveau an Perfektion konnten wir uns auf die Ausarbeitung der unzähligen Tuning-Möglichkeiten konzentrieren.“

 

 

 

So bringt Ducati dem Project 1708 eine Neukonfiguration des rennstreckenorientierten Fahrmodus anhand der Einführung von Race A, Race B und Sport: zwei mehr Racing und softere Mappings.

Diese Mappings greifen in das Verhältnis zwischen der Leistungsabgabe und der Leistungsanfrage seitens des Fahrers ein, um der Fahrerfahrung Charakter zu verleihen. Um die Fahrerfahrung maximal persönlich gestalten zu können, wurden auch 5 freie Slots für kundenspezifische Mappings eingefügt, denen die GPS-Track auf der Lieblingsrennstrecke zugewiesen werden kann. Die GPS-Track einiger Rennstrecken wurde bereits gemappt und eingefügt: Laguna Seca, Mugello, Jerez, Sepang und Losail.

Als weiterer Beweis des Renn-Feelings des Projects 1708 entwickelt Ducati ein Software-Performance-Paket, das mit genau der gleichen HMI ausgestattet ist, die Dovi im GP verwendet hat und komplett der Verwendung für Tracks gewidmet ist.

„Im Klartext heißt das: Ein Motorrad mit einem derart hohen Technikgehalt ermöglicht uns, eine Elektronikarbeit zu leisten, die dazu beiträgt, ihre extremen Merkmale zur Geltung zu bringen, anstatt sie zu beschränken.

Das Gewicht wurde vor allem in den Außenbereichen des Motorrads reduziert, die Beweglichkeit bei den Richtungswechseln ist daher unglaublich. Das Bremsen wird daher von den Rennfahrern als „mit keinem serienmäßigen Motorrad vergleichbar“ beschrieben, weil es leichter ist, ein um so viel leichteres Fahrzeug zu verlangsamen, und die Technologie eine komplette Wiederholbarkeit der Bremshandlung ohne Änderungen beim Bremshub ermöglicht. Für dieses Projekt gab es exklusiv in der ganzen Welt eine Ausstattung mit Brembo Stilema R-Bremsen.“

 

 

Das Ducati-Team leistet eine wahnsinnige Arbeit mit der Abstimmung aller mechanischen und elektronischen Aspekte des Motorrads, wodurch Rennintelligenz in die bereits komplexen Fasern dieses Projekts eingeimpft wird. Es handelt sich um eine mit freiem Auge nicht sichtbare Arbeit, die aber schon ab der ersten Kurve nach der Geraden beeindruckt.

„Was vielleicht nicht klar ist, ist, dass ein Motorrad, das immer futuristischer wird, gleichzeitig auch fahrfreundlicher, immer ergonomischer wird, und nicht nur gedacht, um das Maximum zu erreichen, sondern auch, um dem Fahrer das Beste zu geben.

Genau das passiert während des Wochenendes eines Rennens. Wir machen mit dem 1708 das, was man sonst am Freitag vor einem Rennen macht. Aus ästhetischer Sicht ändert sich das Motorrad nicht von Freitag auf Sonntag, aber die Rundenzeit verbessert sich ständig, bis man in die Pole Position gelangt. Das sind Dinge, die eine Kamera nicht einzufangen weiß, aber die Stoppuhr schon.“